/„Wir wurden behandelt wie ein Großkonzern, der Green Washing macht“

„Wir wurden behandelt wie ein Großkonzern, der Green Washing macht“


Teile des 12062020olympia-Teams (von links): Einhorn-Gründer Waldemar Zeiler, Journalistin Anne Dittmann sowie Thomas Loew und Nicole Hüttmann von der Organisation Scientists for Future

200.000 Euro: So viel Geld ist am ersten Tag des Crowdfundings für eine geplante Veranstaltung im Berliner Olympiastadion zusammengekommen. 90.000 Menschen sollen dort im nächsten Jahr ein Demokratie- und Klimaschutzfestival feiern, wünschen sich die Organisatoren, zu denen das Kondom-Startup Einhorn gehört. Zusätzlich zu den mittlerweile eingesammelten 515.000 Euro gab es viel Kritik an dem Vorhaben. Darauf wollten die Organisatoren eingehen und luden zu einer Pressekonferenz in das Einhorn-Büro nach Berlin-Kreuzberg.

Neuer Name und kostenlose Tickets

Einer der Kritikpunkte war der ursprüngliche Name der Veranstaltung, „Bürger*innenversammlung”, von dem sich die Organisatoren in den letzten Tagen distanziert haben. „Das war missverständlich formuliert“, entschuldigten sie sich auf ihrer Startnext-Seite. Es gehe zwar darum, Menschen zu versammeln, aber repräsentativ sei man damit nur bedingt. Einen neuen Namen haben sie der Versammlung noch nicht gegeben, vorerst soll es bei dem Namen der Crowdfunding-Kampagne bleiben: 12062020olympia.

Ein weiterer Kritikpunkt waren die kostenpflichtigen Tickets zum Event, die aktuell für 29,90 Euro als Teil der Startnext-Kampagne erhältlich sind. Wenn es keine garantierten Tickets zu kaufen gegeben hätte, würde die vermutlich Kampagne weniger erfolgreich laufen, verteidigen die Aktivisten ihre Entscheidung. Deshalb hätten sie sich gegen ein rein spendenbasiertes Crowdfunding entschieden. 50 Prozent der Tickets wolle man nach erfolgreichem Abschluss des Crowdfundings verlosen. „Wir müssen uns bewusst machen, dass sich manche Leute dieses Ticket nicht leisten können und müssen entsprechend damit umgehen“, sagt Anne Dittmann aus dem 12062020olympia-Team.

Bewusst kein Charity-Konzert

Auch wurde kritisiert, dass es kaum Details zu dem Event gebe. Bei dem Pressetermin verkündete Einhorn-Gründer Waldemar Zeiler deshalb weitere Einzelheiten zur Veranstaltung. Neben den Petitionen werde es ein musikalisches Programm geben, viele Künstler hätten sich bereits bei den Initiatoren gemeldet. Aber man habe sich bewusst gegen ein gewohntes Format wie etwa ein Charity-Konzert entschieden. „Sonst heißt es dann: ‘Wegen Grönemeyer kommen natürlich alle ins Stadion, aber was hat das mit Politik zu tun?’“, so Zeiler. Es sei auch geplant, dass die Besucher ungefähr zur Mittagszeit vor das Olympiastadion gingen. NGOs würden auf dem Vorplatz Stände aufbauen, außerdem sollen dort in Zelten verschiedene Workshops stattfinden.

Konkrete Vorschläge für Petitionen habe man sich bewusst noch nicht überlegt. Viel werde sich um Maßnahmen gegen die Klimakrise drehen. Dem Team seien aber auch soziale Themen und Demokratieförderung wichtig. Die inhaltliche Arbeit wollen die Organisatoren anderen überlassen: etwa Aktivisten und lokalen Initiativen, die sich schon seit langer Zeit zum Beispiel mit dem Klimaschutz beschäftigen.Viele Organisationen hätten sich bereits mit Vorschlägen gemeldet. „Wir müssen raus aus unserer Insta- und Berlinblase!“, sagt Nicole Hüttmann von Scientists for Future.


Das sagt Einhorn zur Kritik an seiner Mega-Bürgerversammlung im Olympiastadion

#12062020olympia:

Das sagt Einhorn zur Kritik an seiner Mega-Bürgerversammlung im Olympiastadion

Für ihr Riesenevent hat das Team um den Berliner Kondomhersteller Einhorn ein Crowdfunding gestartet. Doch es gibt nicht nur Geld, sondern auch Kritik.

Für Waldemar Zeiler hat ein Teil der Kritik auch damit zu tun, dass hinter der Initiative ein Unternehmen wie Einhorn steckt. Das Startup ist für seinen provokanten Kommunikationsstil bekannt. Das gefalle eben nicht jedem, sagt Zeiler. Solange man brav Kondome und Tampons verkauft habe, sei das kein Problem gewesen. „Aber sobald man sich politisch engagiert, wird man anders beäugt, das war uns auch nicht klar. Wir wurden behandelt wie ein Großkonzern, der Green Washing macht, so wie alle anderen“, erzählt er.

Aber dass Unternehmen sich politisch engagierten, sei eigentlich nichts Neues, so Zeiler. „Unternehmen waren schon immer in der Politik tätig, etwa wenn durch Lobbyverbände Gesetze mitgeschrieben werden. Das passiert normalerweise hinter verschlossenen Türen. Wir gehen aber sehr offensiv damit um und das ist neu.“

Bild: Gründerszene

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